Vom kurzen Tandempartnerglück

30.04.2018

Sprachen find ich cool. Nur Vokabeln auswendig lernen ist nicht so mein Ding. Oder Grammatikregeln. Oder Schriftzeichen.... das ist, wie man sich vielleicht denken kann, ein mittelschweres Problem auf dem Weg zur Polyglott-Karriere. Nicht das ich die anstreben würde, mittelgute Japanischkenntnisse würden mir schon reichen ;) Und so oft ich es mir auch vornehme nach der Uni nochmal das Vokabelheft herauszukramen, genauso oft bleibt es einfach im Japanisch-Volkshochschul-Rucksack liegen. Deswegen muss ein*e Sprach-Tandem-Partner*in her! Denn so wenig Spaß mir stures Auswendiglernen macht, desto größer ist meine Motivation im Dialog mit meinen Mitmenschen. Welch besseren Anreiz gibt es schon sich ein Wort zu merken, wenn man es genau in diesem Moment braucht? Und so meldete ich mich in der universitären Sprach-Tandem-Gruppe und fing an um asiatische Menschengruppen herumzuschleichen um herauszufinden ob da wohl Japaner dabei sind - natürlich sehr sehr unauffällig! ;) Das alles aber ohne Erfolg - entweder ist Bamberg bei japanischen Student*innen ausgesprochen unbeliebt oder sie können einfach schon so gut Deutsch, dass sie nicht das Bedürfnis haben, sich mit einer Deutschen über "Wie ist dein Schulweg?" oder "Wann ist deine liebste Jahreszeit?" (extrem alltagsnahe Beispiele aus meinem Volkshochschulkurs) zu unterhalten. 

Zumindest bis jetzt! Vor einiger Zeit kam auf einmal ein Foto auf meinem Handy an (Meine Freunde kennen mich doch verdammt gut ;)). Darauf zu sehen: Der Aushang einer japanischen Studentin die eine Tandempartnerin Deutsch-Japanisch sucht! Ich war sofort Feuer und Flamme und schickte eine begeisterte Email an die angegebene Adresse. Kurze Zeit später bekam ich eine Antwort und die ersten zwei Treffen - Spazierengehen und Japanisch kochen - waren schnell ausgemacht. Und so kam es, dass ich Y kennen lernte - höflich, schüchtern, lustig - und mit perfekten Deutschkenntnissen. So perfekt, dass sich außer einem laschen "Yoroshiku onegaishimasu"/"Schön dich kennen zu lernen" kein japanischer Satz über meine Lippen traute... das mit dem Mut muss ich noch ein bisschen üben ;) Spätestens beim zweiten Treffen war dann aber das Eis gebrochen und der japanische "Karē rice" (Curry rice) schmeckte mit deutsch-japanischen Geschichten am Tisch nochmal viel besser. Endlich am Tandem-Ziel könnte man meinen, wenn nicht dieses kleine bisher unerwähnte Detail wäre. Y zieht Ende der Woche schon wieder weiter, andere deutsche Städte wollen erkundet werden und der besagte Aushang war entsprechend alt. Schön wars, das kurze Tandempartnerglück, nur eben leider kurz. 

Wenn ihr mal wieder einen Aushang am schwarzen Brett entdeckt - ich hätte noch "Karē rice"-Paste übrig! ;)


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